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Blackfacing: Schwarze Identität ist kein Kostüm

  • 13. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. März


Blackfacing (oder Blackface) löst regelmäßig öffentliche Debatten aus. Sei es zu Karneval, im Theater, in der Werbung oder in sozialen Medien.


Viele Menschen fragen sich, warum Blackfacing rassistisch ist und ob es nicht einfach nur Teil eines Kostüms ist.


Was ist Blackfacing?


Unter Blackfacing versteht man die Praxis, bei der sich überwiegend weiße Menschen dunkel schminken, um Schwarze Menschen zu imitieren. Diese Darstellung geht meist mit stereotypen Merkmalen einher, etwa überzeichneten Lippen, bestimmten Sprachmustern oder klischeehaften Verhaltensweisen. Diese offensichtliche Karikatur ist allerdings kein Muss. Allein das Dunkelschminken der Haut, um eine andere ethnische Zugehörigkeit darzustellen, gilt als Blackfacing (Thompson, 2021).


Aus rassismuskritischer Sicht ist Blackfacing keine neutrale Verkleidung, sondern eine Praxis mit klarer historischer Bedeutung, die eng mit kolonialen Machtverhältnissen und antischwarzem Rassismus verbunden ist (Eddo-Lodge, 2018; Zheng & Stear, 2023).


Die historische Herkunft von Blackfacing


Minstrel Shows im 19. Jahrhundert

Blackfacing hat seinen Ursprung in den sogenannten Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts in den USA. Weiße Schauspieler traten mit schwarz geschminkten Gesichtern auf und stellten Schwarze Menschen als faul, lächerlich, unintelligent oder naiv dar. Diese Shows waren ein zentrales Unterhaltungsformat und trugen maßgeblich zur gesellschaftlichen Normalisierung rassistischer Stereotype bei. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Minstrel Shows nicht nur Unterhaltung waren, sondern aktiv zur Rechtfertigung von Sklaverei und späterer Segregation beitrugen (Lott, 2013).


Blackfacing in Europa

Auch in Europa wurde Blackfacing genutzt z.B. im Theater, in Operninszenierungen oder bei traditionellen Festen. Das diente dazu, die eigene Herrschaft in den Kolonien moralisch zu rechtfertigen. Man stellte sich selbst als „zivilisiert“ und die anderen als „exotisch“ oder „rückständig“ dar (Pickering, 2008). Wenn heute jemand sagt „Das ist doch nur eine harmlose Tradition“, dann greift er/sie unbewusst auf diese alten Bilder zurück. Die Forschung zeigt, dass diese Darstellungen nie „harmlos“ waren, sondern als Werkzeuge dienten, um eine Hierarchie zwischen weiß und Schwarz in den Köpfen zu festigen (Arndt, 2022).


Warum ist Blackfacing problematisch?


Reproduktion rassistischer Stereotype

Blackfacing reduziert Schwarze Menschen auf äußere Merkmale und kulturelle Klischees. Es reproduziert Bilder, die historisch zur Entmenschlichung beigetragen haben und dies auch heute noch tun (Lott, 2013).


Machtverhältnisse und kulturelle Aneignung

Ein zentraler Aspekt in der Debatte um Blackfacing ist das ungleiche Machtverhältnis. Weiße Menschen profitieren strukturell von einer Gesellschaft, in der Schwarze Menschen Diskriminierung erfahren. Wenn privilegierte Gruppen Merkmale marginalisierter Gruppen darstellen, ohne deren Lebensrealitäten zu teilen, spricht man von kultureller Aneignung (Rogers, 2006).


Weiße Menschen können die „Farbe“ am Ende des Tages abwaschen. Schwarze Menschen können das nicht. Sie sind permanent mit den strukturellen Diskriminierungen konfrontiert, die mit ihrer Identität verbunden sind (Zheng & Stear, 2023).


Wirkung statt Intention

Ein häufiges Argument lautet: „Es ist nicht böse gemeint.“, wenn Blackfacing zum Beispiel an Fasching betrieben wird. In der Rassismusforschung gilt jedoch der Leitsatz:


Nicht die Intention, sondern die Wirkung ist entscheidend (DiAngelo, 2018).


Für viele Schwarze Menschen ist Blackfacing schmerzhaft, da es an eine lange Geschichte von Ausgrenzung erinnert. Aus wissenschaftlicher Perspektive ist Blackfacing daher immer rassistisch, da die Praxis untrennbar mit rassistischer Geschichte und Stereotypisierung verbunden ist (Arndt, 2021).


Der Ausschluss-Mechanismus

Blackfacing diente historisch auch dazu, Schwarze Menschen von der gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe auszuschließen. Anstatt Schwarzen Schauspieler:innen Rollen zu geben, „erfanden“ Weiße eine künstliche, verzerrte Version von Schwarzsein. So blieb die Bühne (und die Deutungshoheit) weiß, während Schwarze Menschen systematisch unsichtbar gemacht wurden (Sharifi & Skwirblies, 2022).


Blackfacing heute


Blackfacing zeigt sich heute auch in anderen Formen. Eng verbunden damit ist z.B. „Blackfishing“. Eine Praxis bei der vor allem Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Schwarze Identität als „Lifestyle Produkt“ vermarkten, indem sie einzelne ästhetische Merkmale gezielt von ihrem kulturellen und historischen Kontext entkoppeln (Jackson, 2019). Während Schwarze Menschen für genau diese Merkmale oft diskriminiert werden (beispielsweise, wenn Flechtfrisuren in Schulen oder im Job als ‚unseriös‘ gelten), werden sie an weißen Körpern als modern gefeiert (Tate, 2022). Die Identität wird so zum Kostüm reduziert, das man auszieht, sobald der Trend vorbei ist, ohne jemals die negativen Erfahrungen des Rassismus teilen zu müssen.


Fazit


Blackfacing ist keine harmlose Tradition, sondern eine Praxis mit tief verwurzelter rassistischer Geschichte. Wer sich ernsthaft mit Diversität, kultureller Verantwortung und Anti-Rassismus auseinandersetzen möchte, kommt an einer kritischen Reflexion von Blackfacing nicht vorbei.


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Literatur


  1. Arndt, S. (2021). Rassismus begreifen: Vom Trümmerhaufen der Geschichte zu neuen Wegen. München: C.H. Beck.  

  2. DiAngelo, R. (2018). White Fragility: Why It's So Hard for White People to Talk About Racism. Boston: Beacon Press.

  3. Eddo-Lodge, R. (2018). Why I’m No Longer Talking to White People About Race. London: Bloomsbury Publishing.

  4. Jackson, L. M. (2019). White Negroes: When Cornrows Were in Vogue… and Other Thoughts on Cultural Appropriation. Boston: Beacon Press.

  5. Lott, E. (2013). Love and Theft: Blackface Minstrelsy and the American Working Class. (20th Anniversary Edition). New York: Oxford University Press.

  6. Pickering, M. (2008). Blackface Minstrelsy in Britain. London: Routledge.

  7. Rogers R. A. (2006). From cultural exchange to transculturation: A review and reconceptualization of cultural appropriation. In: Communication Theory, 16(4).

  8. Sharifi, A., & Skwirblies, L. (2022). Theaterwissenschaft postkolonial/dekolonial: Eine kritische Bestandsaufnahme (Theater, 142). Bielefeld: transcript Verlag

  9. Tate, S. A. (2022). Beauty. In: Canadian Review of Sociology, 59(2).

  10. Thompson, A. (2021). Blackface. New York/London: Bloomsbury Academic.

  11. Zheng, R., & Stear, N.-H. (2023). Imagining in Oppressive Contexts, or What’s Wrong with Blackface? In: Ethics, 133(3).

Hi, ich bin Pia!


Das Bild zeigt Pia in einer Portraitaufnahme. Sie ist eine Schwarze Frau vor einem blauen Hintergrund. Sie trägt goldene Ohrringe und eine weiße Bluse.

Ich bin Business Coaching und Trainerin für Antidiskriminierung in

München.


Nach einigen Jahren im Personalbereich, habe ich die Entscheidung getroffen, mich mit meinem Herzensthema Diversity, Equity, Inclusion & Belonging selbstständig zu machen.


Mit meiner Arbeit möchte ich Strukturen schaffen, die marginalisierte Personen an die richtigen Tische bringen. Vielfalt & Inklusion sollen in Zukunft die Norm in der Arbeitswelt sein und keine Ausnahme mehr darstellen.







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